Die Laufmaschine
Karl Freiherr von Drais stellt in Mannheim die Laufmaschine vor: zwei Räder, ein Holzrahmen, keine Pedale. Die Geburtsstunde des Zweirads.
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Ein Alltagsgegenstand. Ein Transportmittel, das Pferde vom Personentransport abgelöst hat. Aber wer hat diese grenzgeniale Erfindung unter unseren Allerwertesten gebracht — und welchen Einfluss hatte sie auf unsere Gesellschaft?
Mehr als ein Fahrzeug
Das Fahrrad gab Frauen im 19. Jahrhundert eigenständige Mobilität und wurde zum Symbol der Frauenbewegung.
Radfahrerinnen trugen die erste „Damenhose“ (Bloomers) schon in den 1850ern — Jahrzehnte vor Coco Chanel.
Als erstes erschwingliches Fahrzeug ermöglichte das Rad Arbeiterinnen und Arbeitern den Weg zur Fabrik.
Vom Laufrad zur Fahrradstadt: Das Rad hat urbane Mobilität grundlegend verändert und tut es bis heute.
Null Emissionen, kein Lärm, minimaler Platzbedarf: Das Fahrrad ist das nachhaltigste Verkehrsmittel überhaupt.
Vom Fixie über das Gravelbike bis zum Lastenrad: Radfahren ist längst eine bewusste Lebensentscheidung.
Am 12. Juni 1817 versammelte sich eine Menschenmenge an der besten Straße Mannheims, um eine seltsame Vorführung zu beobachten: Karl Freiherr von Drais saß rittlings auf einem hölzernen Gestell mit zwei Rädern, stieß sich mit den Füßen vom Boden ab und rollte schneller dahin, als ein Fußgänger hätte laufen können. Die Laufmaschine war geboren.
Das Gerät war fast vollständig aus Holz gefertigt, besaß ein lenkbares Vorderrad und keine Pedale — im Grunde ein Laufrad für Erwachsene. Aber es funktionierte: Drais halbierte die Reisezeit zwischen Mannheim und der Schwetzinger Relaisstation. 1818 ließ er sich die Erfindung als Transportmittel in Baden patentieren. Schon ein Jahr später verbesserte der Londoner Wagenbauer Denis Johnson das Design, baute eine elegantere Version aus Metall und vermarktete sie als Hobby-Horse — ein kurzer, wilder Trend in der Londoner High Society.
„Es ist eine eigenartige Tatsache in der Geschichte des Fahrrades, daß fast alle Verbesserungen zwei- ja zuweilen dreimal erfunden werden mußten, bevor sie allgemein verwendet wurden.“
Meilensteine
Karl Freiherr von Drais stellt in Mannheim die Laufmaschine vor: zwei Räder, ein Holzrahmen, keine Pedale. Die Geburtsstunde des Zweirads.
Der Pariser Schmied Pierre Michaux (oder sein Sohn Ernest) montiert Tretkurbeln an die Vorderachse einer Draisine. Der „Boneshaker“ ist laut, unbequem — und ein Riesenerfolg.
James Starley baut in Coventry das Hochrad „Ariel“ mit riesigem Vorderrad und Drahtspeichen. Schnell, elegant — und lebensgefährlich bei Stürzen.
John Kemp Starley (Neffe von James) erfindet das „Rover Safety Bicycle“: zwei gleich große Räder, Kettenantrieb auf das Hinterrad. Die Grundform des modernen Fahrrads.
Dank industrieller Fertigung, Luftreifen und fallender Preise wird das Fahrrad zum Alltagsfahrzeug für Millionen.
In Dänemark entwickelt Morten Rasmussen Mortensen unter der Marke SCO (Smith & Co) das erste Long-John-Lastenrad mit tief liegender Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad.
Die Moulton-Kleinräder und die Schwinn Stingray lösen neue Trends aus: kompakte Falträder für Pendler und das kultige Bonanzarad mit Bananensattel für Jugendliche.
In Marin County, Kalifornien, rasen Pioniere wie Joe Breeze und Gary Fisher auf umgebauten Schrotträdern die Berge hinunter. Das Mountainbike wird geboren.
Leichte Lithium-Ionen-Akkus und Pedelec-Sensoren machen elektrische Unterstützung alltagstauglich. Das E-Bike revolutioniert den Pendelverkehr und erschließt das Rad für neue Zielgruppen.
Fahrradkuriere in New York und San Francisco machen das puristisch-leichte Eingangrad zum Kult. Die urbane Fahrradkultur wird zur Lifestyle-Bewegung.
Namensgeschichte
Laufmaschine
Die allererste Bezeichnung von 1817. Man saß drauf und lief. Simpel, aber effektiv.
Hobby-Horse
Denis Johnsons Londoner Version von 1819, benannt nach dem Kinderspielzeug Steckenpferd.
Penny-Farthing
Das Hochrad, benannt nach dem großen Penny und dem kleinen Farthing — wie die beiden Räder.
Velociped
Vom lateinischen „velox“ (schnell) und „pes“ (Fuß). Der elegante Name für frühe Tretkurbelräder.
Reitrad
Eine deutsche Bezeichnung für die Draisine: Man ritt darauf, statt zu laufen.
Boneshaker
Der Spitzname für das Tretkurbel-Velociped der 1860er: Eisenräder auf Kopfsteinpflaster, ohne Federung.
Schadensrisiko
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