Ratgeber
Die Geschichte des Drahtesels.
Zwei Räder, ein Rahmen, ein Lenker. So einfach, und doch hat es fast 70 Jahre gedauert, bis das Fahrrad so aussah wie heute. Eine kurze Geschichte, von der Laufmaschine bis zum E-Bike.
Kurz gesagt
1817 in Mannheim
Karl Drais stellt seine Laufmaschine vor: zwei Räder, ein Holzrahmen, keine Pedale.
1885 in Coventry
Das Rover Safety Bicycle hat zwei gleich große Räder und eine Kette. So sehen Räder bis heute aus.
„Fahrrad“ seit 1885
Der Deutsche Radfahrer-Bund führt das Wort ein. Vorher hieß es meist Velociped.
Der Erfinder
Karl Drais’ Laufmaschine.
Am 12. Juni 1817 rollte Karl Freiherr von Drais in Mannheim auf einem seltsamen Gestell los: zwei hölzerne Räder hintereinander, dazwischen ein Sitz, vorne ein Lenker. Pedale gab es keine, Drais stieß sich mit den Füßen vom Boden ab. Bis zum Schwetzinger Relaishaus und zurück, rund 14 Kilometer, brauchte er etwa eine Stunde, schneller als jeder Fußgänger. Die Laufmaschine war geboren.
Im Jänner 1818 bekam Drais dafür ein Privileg des Großherzogs von Baden, eine Art Patent. Noch im selben Jahr ließ sich der Londoner Kutschenbauer Denis Johnson eine verbesserte Version patentieren. In England hieß sie bald Hobby-Horse oder Dandy-Horse und war für kurze Zeit groß in Mode.
Meilensteine
In zehn Meilensteinen.
1817
Die Laufmaschine
Karl Drais stellt in Mannheim seine Laufmaschine vor: zwei Räder, ein Holzrahmen, keine Pedale. Die Geburtsstunde des Zweirads.
1861
Das Tretkurbel-Velociped
In Paris bekommt die Laufmaschine Tretkurbeln am Vorderrad, der Überlieferung nach in der Werkstatt von Pierre Michaux. Der „Boneshaker“ ist laut und unbequem, und ein Riesenerfolg.
1871
Das Hochrad
James Starley baut in Coventry das Hochrad „Ariel“ mit riesigem Vorderrad und Drahtspeichen. Schnell und elegant, bei Stürzen lebensgefährlich.
1885
Das Sicherheits-Niederrad
John Kemp Starley, ein Neffe von James, baut das „Rover Safety Bicycle“: zwei gleich große Räder, Kettenantrieb auf das Hinterrad. Die Grundform des Fahrrads bis heute.
um 1900
Massenproduktion
Luftreifen, Fabriken und sinkende Preise machen das Fahrrad zum Alltagsfahrzeug für Millionen.
1923
Das Lastenrad „Long John“
In Dänemark entwickelt Morten Rasmussen Mortensen für die Marke SCO das Long John, ein Lastenrad mit tiefer Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad.
1960er
Kleinrad und Bonanzarad
Das Moulton mit seinen kleinen Rädern und die Schwinn Sting-Ray setzen Trends: kompakte Räder für die Stadt und das Bonanzarad mit Bananensattel für die Jugend.
1970er
Das Mountainbike
In Marin County, Kalifornien, rasen Pioniere wie Joe Breeze und Gary Fisher auf umgebauten alten Rädern die Berge hinunter. Das Mountainbike ist geboren.
um 2000
Das E-Bike
Leichte Lithium-Ionen-Akkus und Sensoren, die das Treten messen, machen elektrische Unterstützung alltagstauglich. Das E-Bike bringt neue Leute aufs Rad.
2000er
Das Fixie
Fahrradkuriere in New York und San Francisco machen das schlichte Rad mit starrem Gang zum Kult. Aus Radkultur wird Lebensgefühl.
„Es ist eine eigenartige Tatsache in der Geschichte des Fahrrades, daß fast alle Verbesserungen zwei- ja zuweilen dreimal erfunden werden mußten, bevor sie allgemein verwendet wurden.“
Gesellschaft
Das Rad hat die Welt verändert.
Emanzipation
Im späten 19. Jahrhundert gab das Rad vielen Frauen zum ersten Mal eigene Mobilität. Es wurde zum Symbol der Frauenbewegung.
Mode
Radfahrerinnen der 1890er trugen statt langer Röcke Pumphosen, die Bloomers. Das sorgte für Aufsehen.
Arbeit
Als erschwingliches Verkehrsmittel brachte das Rad Arbeiterinnen und Arbeiter zur Fabrik, auch über weitere Strecken.
Stadt
Radwege, Fahrradstraßen, Leihräder: Das Rad verändert bis heute, wie Städte gebaut werden.
Klima
Keine Abgase, kaum Lärm, wenig Platz: Das Rad ist eines der saubersten Verkehrsmittel, die es gibt.
Lebensgefühl
Vom Fixie über das Gravelbike bis zum Lastenrad: Radfahren ist längst eine bewusste Entscheidung.
Namen
Wie das Fahrrad schon hieß.
Laufmaschine
Drais’ eigener Name für seine Erfindung von 1817. Man saß drauf und lief.
Draisine
Nach ihrem Erfinder benannt. Heute heißt so auch ein Schienenfahrzeug, das man mit Muskelkraft bewegt.
Hobby-Horse
Denis Johnsons Londoner Version von 1818, benannt nach dem Steckenpferd der Kinder. Auch Dandy-Horse genannt.
Velociped
Vom lateinischen velox, schnell, und pes, Fuß. Lange der übliche Name für Räder mit Tretkurbel.
Boneshaker
Knochenschüttler: der Spitzname der Tretkurbelräder der 1860er, mit Eisenreifen auf Kopfsteinpflaster.
Penny-Farthing
Das Hochrad, benannt nach dem großen Penny und dem kleinen Farthing, zwei englischen Münzen.
Reitrad
1882 als deutsches Wort für das Velociped vorgeschlagen. Durchgesetzt hat es sich nicht.
Fahrrad
Seit 1885, eingeführt vom Deutschen Radfahrer-Bund.
Drahtesel
Scherzhaft für ein treues Rad: ein Esel aus Draht, der dich überallhin trägt.
Rad schützen
Über 200 Jahre Drahtesel. Deiner verdient Schutz.
Karl versichert dein Rad gegen Diebstahl, Sturz und Vandalismus, weltweit und ohne Selbstbehalt.